(München) Brände, Hochwasser oder Chemieunfall: Im Katastrophenfall ist es wichtig, die Bevölkerung schnell und zuverlässig zu warnen. Dabei sollen künftig auch DAB-Radios helfen. Ausgerechnet eine Katastrophe hat der Technik zum Durchbruch verholfen.
Um Punkt 11.00 Uhr heulen am Donnerstag bayernweit die Sirenen. Dazu sollen Handys laut piepsen. Mit dem Warntag soll getestet werden, ob die Alarmierungswege funktionieren. Dabei bekommen die Katastrophenschützer nun ein weiteres Werkzeug: DAB-Radios. Die sollen sich im Ernstfall selbstständig einschalten und vollautomatisch Warnmeldungen ausspielen. Die Technik dafür stammt aus Franken: Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS hat sie entwickelt.
ASA-Technik holt Digital-Radios aus dem Standby-Modus
Im Fraunhofer-Institut in Erlangen haben die Ingenieure um Teamleiter Olaf Korte einen Versuchsstand aufgebaut, mit mehreren DAB-Radios. Dann wird der Ernstfall simuliert: Am Laptop starten die Wissenschaftler die Alarmierung. Sekunden später schaltet sich ein angesteuertes Digital-Radio aus dem Standby-Modus, piept laut und eine Computerstimme ist zu hören: „Dies ist ein Test-Alarm für das Stadtgebiet Erlangen.“
Durch die Alarmierung mit der Technik namens „Automatic Safety Alert“ (ASA) wechselt das DAB-Radio eigenständig auf einen Warnkanal, auf dem dann die Details zur Alarmierung wiedergegeben werden, erklärt Korte.
Radio als Warnmittel „robuster“ als per Handynetz
Trotz heulender Sirenen und piepsender Handys: Olaf Korte vom Fraunhofer-Institut in Erlangen ist überzeugt, dass es die Warnung per DAB-Radio braucht. Die Alarmierung per Handy („Cell-Broadcast“) sei fantastisch, sagt Korte und ergänzt: „Wenn es denn funktioniert“. Wenn im Katastrophenfall Infrastrukturen zusammenbrechen, dann sind solche Warnmittel „oft nicht mehr verfügbar“. Rundfunk und Radio seien dagegen „eines der robustesten Medien, die es gibt“. Akkubetriebene Radios sind zwar die Ausnahme, gesteht Korte ein, verweist aber auf stromnetzunabhängige Radios im Auto.
Flutkatastrophe im Ahrtal verhalf der Technik zum Durchbruch
An der Technik hinter der Katastrophen-Alarmierung per DAB-Radio tüftelt das Fraunhofer-Institut bereits seit über 15 Jahren. Lange hätten die Hersteller der Radios an der Implementierung in die Geräte aber kaum Interesse gezeigt, sagt Korte. Erst die Flutkatastrophe im Ahrtal habe der „Automatic Safety Alert“-Technik den nötigen „Boost“ gegeben, sagt Korte. Mittlerweile seien etwa auch Österreich, Tschechien und Spanien dabei, auf die Warnung per Radio zu setzen. Weil die Technik hier entwickelt wurde, sei Deutschland da aber Vorreiter und besonders im Blick, sagt Korte. Deshalb müsse der Testlauf auch gut funktionieren.
Knackpunkt: Nur ganz neue DAB-Radios schlagen Alarm
So wichtig es auch ist, im Ernstfall eine weitere Warnmöglichkeit zu haben: Die Alarmierung per Digitalradio hat ein großes Manko. Die funktioniert nur, wenn das DAB-Radio die „Automatic Safety Alert“-Technik beherrscht. Erkennen kann man das an einem ASA-Logo auf der Verpackung. Entsprechende Geräte sind allerdings erst seit vergangenem Sommer auf dem Markt und noch entsprechend wenig verbreitet. Olaf Korte vom Fraunhofer-Institut in Erlangen verweist aber auf über eine Million DAB-Radios, die jährlich in Deutschland verkauft werden. Er geht davon aus, dass die Warn-Funktion den Absatz neuer DAB-Radios steigert. So könnten laut Korte bereits in ein paar Jahren rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung im Ernstfall auch per Radio alarmiert werden.


